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Facharbeiten zum Schulprojekt "Schule der Vielfalt - Schule ohne Homophobie"

Zwei Schülerinnen der Q1 wählten im vergangenen Schuljahr die Themen ihrer Facharbeiten passend zu unserem Schulprojekt "Schule der Vielfalt - Schule ohne Homophobie".

Mila Schuknecht beschäftigte sich im Fach Biologie bei Frau Saxen mit der Frage: "Ist jeder Mensch bisexuell?", und Luzie von Kirschbaum untersuchte in ihrer Facharbeit im Fach Deutsch bei Frau Last "Homosexualität in Thomas Manns Der Tod in Venedig".

Mila Schuknecht schreibt: "Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da meiner Meinung nach die Bisexualität in unserer Gesellschaft ein umstrittenes Thema ist, da manche Menschen es heutzutage noch als Krankheit bezeichnen und andere als Normalität. (...)

Schwule, Lesben und Bisexuelle sind weltweit von Vorurteilen, Diskriminierung und Gewalt betroffen. Schon während des Nationalsozialismus wurden in Deutschland Schwule ermordet, da Sie nicht in das „selbstverständliche“ Menschenbild passten. Leider haben sich diese Vorurteile, die Diskriminierung und manchmal auch noch die Gewalt gegen anders sexuell orientierte Menschen nicht verändert. Zudem werden Bisexuelle oft mit einem skeptischen Blick von Hetero- und Homosexuellen angeschaut, da man bei Bisexuellen sagt, dass Sie sich nicht entscheiden können. (...)

Doch warum sind die Menschen so skeptisch? Diese Frage ist leicht zu beantworten, allen Menschen wird in der Kindheit einiges beigebracht, auch dass das weibliche Geschlecht immer das Männliche liebt und das Männliche immer das Weibliche. Jedoch ist dies eine ganz falsche Sichtweise, die den Kindern dort in den Kopf gesetzt wird. Denn manche der Kinder sehen dann nicht mehr die Möglichkeit, dass auch Frauen sich in Frauen verlieben können oder Männer sich in Männer."

Bei Interviews mit zehn bisexuellen Frauen kam Mila zu interessanten Ergebnissen:

"Festzustellen ist, dass 8 von 10 Kandidaten dies [ihre Bisexualität] in der Pubertät festgestellt haben. Bei zwei Personen kam die Erkenntnis erst nach der Pubertät, mit 19 und 22 Jahren. (...) Der Freundeskreis  reagierte auf diese Situation immer gelassen, im Gegensatz zur Familie, die meist schockiert und skeptisch war, es aber nach etwas Zeit doch akzeptiert hatte. Zwei der Befragten haben ihrer Familie bis heute nicht erzählt, was für eine sexuelle Orientierung sie ausleben. (...) Im Allgemeinen kann man sagen, dass alle der zehn Kandidatinnen glücklich mit ihrer sexuellen Orientierung sind, auch wenn es anfänglich vielleicht schwer war, führen jetzt mehr als die Häfte der Frauen eine glückliche Beziehung."

Luzie von Kirschbaum untersuchte in ihrer Facharbeit im Fach Deutsch bei Frau Last "Homosexualität in Thomas Manns Der Tod in Venedig":

Die berühmte Novelle "thematisiert Homoerotik und die Lebenskrise eines alternden Schriftstellers" (Luzie von Kirschbaum). Die Schülerin schreibt:

"[In meiner Facharbeit] wird der Umgang Thomas Manns mit dem Thema Homosexualität in "Der Tod in Venedig" untersucht. Zuerst werden die männlichen Charaktere und deren Beziehung zu Gustav von Aschenbach dargestellt und analysiert, dann wird der Fokus vor allem auf den jungen Tadzio gerichtet, der Aschenbach in ein Gefühlchaos stürzt und in ihm Selbstzweifel auslöst. Abschließend wird der Inhalt der Novelle auf Thomas Manns Biografie bezogen. Dafür werden Thomas Manns Tagebucheinträge hinzugezogen. Auch werden weitere, von der Novelle unabhängigen Aspekte der Biografie, auf homosexuelle Neigungen untersucht.

Das Thema wurde aus Interesse an der Darstellung von Homosexualität in der Literatur am Anfang des 20. Jahrhunderts gewählt. Die Akzeptanz homosexueller Personen ist auch in der heutigen Gesellschaft, 100 Jahre später, ein aktuelles Thema und noch längst nicht verbreitet. (...)

In seiner Novelle "Der Tod in Venedig" spricht Thomas Mann mutig ein am Anfang des 20. Jahrhunderts sehr verpöntes Thema an. Er behandelt einige Aspekte, die Homosexuelle in eine Krise stürzen können: Selbstzweifel, das Gefühl von Unrecht, Zwang und Flucht.

Auch wenn Thomas Mann seine Novelle selbst eine "Tragödie einer Entwürdigung" nennt, ist keine allumfassende biografische Beziehung zwischen Thomas Mann und dem fiktiven Charakter Gustav von Aschenbach herzustellen. In den Tagebucheinträgen Thomas Manns finden sich jedoch viele Parallelen. Widersprüchlich dazu scheint, dass er 50 Jahre mit seiner Frau Katia verheiratet war und sechs Kinder mit ihr hatte. Eindeutig belegen lässt sich Thomas Manns Homosexualität deshalb nicht. Fest steht jedoch, dass Thomas Mann sich ausführlich und in verschiedensten Facetten mit Homosexualität beschäftigt hat."

Beide Schülerinnen tragen mit ihren engagierten Untersuchungen zu Respekt und Akzeptanz gegenüber den vielfältigen Lebensweisen in unserer Schulgemeinschaft bei.

Vielen Dank dafür!

Text: Christina Huch

Foto: Amadeo Kaus

 Luzie von Kirschbaum und ihre Deutschlehrerin Frau Last

 

 

 

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